Beuteltiere

 

Die grösste Arten- und Formenfülle von Beuteltieren gibt es in Australien und auf einigen umliegenden Inseln. Der für diese Säugetierordnung charakteristische Brustbeutel ist eine Duplikatur der Bauchhaut, die von besonderen Beutelknochen geschützt wird. Es gibt allerdings noch weitere charakteristische Merkmale bei den Beuteltieren: So wie z.B. der nach innen gerichtete, fast rechtwinkelig umgebogene Unterkieferwinkel, oder die Tatsache, dass bei ihnen der Fortpflanzungstrakt verdoppelt ist. Das heisst: Weibchen haben zwei Uteri und zwei Vaginae, vor der Geburt bildet sich zwischen ihnen ein Geburtskanal, die Pseudovagina. Auch die Männchen besitzen einen gespaltenen oder doppelten Penis mit davorliegendem Scrotum. Ausserdem ist die Körpertemperatur der Beuteltiere um einige Grade niedriger als bei den höeheren Säugetieren und nicht konstant.

Wie viele andere Säugetiere sind auch etliche Beuteltierarten von verschiedenen Völkern wegen ihres Fleisches und Felles gejagt worden.
Zu den Beuteltieren zählen und für die „Pelzwirtschaft“ interessant/wichtig sind z.B.


Fuchskusu (Trichosurus vulpecula)

(grösste) Unterart der Kusus / in Neuseeland genannt Possum

Die Kusus (Trichosurus, Einzahl der Kusu) sind eine Beutelsäugergattung aus der Beuteltierfamilie der Kletterbeutler (Phalangeridae). Es werden fünf Arten unterschieden. Manchmal werden sie als Possums bezeichnet, obwohl sich diese Bezeichnung auch auf zahlreiche andere australische Beuteltiere bezieht.

Aussehen:

Das Fell des Kusus ist weich und wollig, die Farbe variiert von grau über weiß bis braun und schwarz. Die Ohren sind dreieckig. Der Fuchskusu ist ca. 35–55 cm groß und hat einen 25–40 cm langen Schwanz. Das Männchen wiegt bis 4 kg, die Weibchen 1,5–3,5 kg.

Lebensweise:

Heimisch ist er in Süd- und Ostaustralien. Er frisst hauptsächlich Blätter, ergänzt seine Kost aber mit Früchten, Wirbellosen, Blüten, Knospen und anderem. Der Fuchskusu ist nachtaktiv. Tags schläft der Kusu in einem Nest in einer Baumhöhle oder an einem anderen geeigneten Ort. Sie bilden Gruppen von etwa einem Dutzend Individuen mit einem dominanten Weibchen an der Spitze.

Namensgebungen
z.B. in der Pelzbranche:

Possumfell. Bis in die 90er Jahre wurden die naturgrauen Opossums als australische, die naturbraunen als tasmanische Opossum gehandelt. Das Fell des Fuchskusu das als „Australisch Opossum“ im Handel war, wird dem Hauptaufkommen entsprechend jetzt richtiger als „Neuseeländisches Opossum“ bezeichnet.

Weitere Infos & Zahlen:

Die letzten Jahre kamen aber praktisch keine australischen Opossums mehr auf den Markt, fast das gesamte Aufkommen stammte von ursprünglich aus Tasmanien eingeführten Tieren aus Neuseeland. Kususfelle waren um 1900 als „Australisch Opossum“ sehr beliebt und zur Pelzgewinnung wurden zwischen 1858 und 1920 mehr als 600 Kusus von Europäischen Siedlern nach Neuseeland eingeführt worden. (Australien exportierte beispielsweise 1906 4 Millionen Felle.) Der Fuchskusu wird heute in Neuseeland mit einem Bestand von über 70 Millionen Tieren als große ökologische Bedrohung gesehen, und auch Umweltorganisationen fordern seine Ausrottung. Auf Grund der deshalb betriebenen Bejagung fallen in großer Menge Opossumfelle an. Bis etwa 2005/2006 wurden deshalb ständig nach Absatzmöglichkeiten für die Felle gesucht, danach brachen die Lieferungen schlagartig ab, seit Ende 2007 wird der Artikel in geringer Menge wieder angeboten. Das sogenannte neuseeländische Opossumfell oder die Wolle der durch die Bejagung getöteter Tiere werden weiterhin verwertet.

Doch auch wenn Umweltschutzorganisationen wie der WWF sich für das „Dezimieren“ der Possums aussprechen, so mahnen sie darauf einen Pelzmarkt aufzubauen. Wie verschiedenen Medien zu entnehmen ist: „Der WWF unterstützt den kommerziellen Handel mit Possumfellen nicht“, erklären die Umweltschützer: „Es ist nämlich nicht auszuschließen, dass Unternehmen, die vom Possumfell-Verkauf profitieren, ein Interesse am Fortbestand dieser Plagegeister haben.“

 

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Opossum (Didelphis)

Sind eine Gattung der Beutelratten mit sechs Arten. In einem allgemeineren Sinn (und im englischen Sprachgebrauch) werden alle Beutelratten und nicht nur Angehörige dieser Gattung als Opossums bezeichnet. Der Name Opossum stammt aus einer nordamerikanischen Algonkin-Sprache und ist nicht mit der Bezeichnung Possum zu verwechseln, die im Englischen für eine Reihe australischer Beuteltiere verwendet wird.

Aussehen:

Opossums erreichen eine Körperlänge von 32 bis 50 cm, dazu kommt ein ebenso langer, nackter Schwanz. Ihr Gewicht kann bis zu 5,5 Kilogramm betragen. Alle vier Füße haben fünf Zehen mit Krallen außer der ersten Zehe der Hinterfüße, die daumenartig entwickelt ist und den anderen Zehen gegenübergestellt werden kann. Ihr Fell ist weißlich bis grau gefärbt und am Kopf haben sie meist drei schwarze Streifen, einen über jedem Auge und einen in der Mitte. Unterschiede im Fell (Farbe, Beschaffenheit und Grösse) liegen zwischen den Nördlichen und den Südlichen Opossums vor.

Lebensweise:

Das Verbreitungsgebiet der Gattung erstreckt sich vom südlichen Kanada über die USA bis ins mittlere Argentinien. Für gewöhnlich leben die nachtaktiven Opossums als Einzelgänger und Allesfresser in bewaldeten oder buschbewachsenen Gebieten. Sie können gut schwimmen und mit Hilfe ihres Greifschwanzes auch gut klettern. Trotzdem leben sie aber meist auf dem Boden. Den Tag verbringen sie in Felsspalten, hohlen Bäumen, in selbstgegrabenen Bauten oder in Nestern, die sie mit Gräsern und Blättern auslegen. Opossums sind nicht dauerhaft reviergebunden, sie bewohnen ein bestimmtes Gebiet nur für ein paar Monate. Bei Gefahr stellen Opossums sich tot.

Namensgebungen
z.B. in der Pelzbranche:

Weitere Namen des Nordopossums waren Virginisches Opossum und Russian marten, des Südopossums Paraguayanisches Opossum und Casaca. Laut Rauchwarenkunde von Friedrich Lorenz wurden als „Marder-Opossum“ Felle mit überwiegend kurzen, weichen und schwarzen Grannen bezeichnet (nicht zu verwechseln mit „marderfarbig gefärbten Opossum“).

Weitere Infos & Zahlen:

1929 gehörte Opossum zu den vier wichtigsten „Pelztieren“ in der USA, neben Bisam, Skunks und Waschbär. 1947 führten die USA 1.439.980 Rohfelle aus. In den Saisons 1961/62 und 1962/63 betrug die offizielle Jagdausbeute in den USA 292.628 Opossums. Und 1988 lag der Anfall nordamerikanischer Opossumfelle bei jährlich über einer Million.

 

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Als Wallaby werden mehrere kleine Arten aus der Familie der Kängurus (Macropodidae)* bezeichnet.

Im engeren, hier beschriebenen Sinn zählen nur acht Arten der Gattung Macropus dazu, die in der Untergattung Notamacropus zusammengefasst werden. In einem weiteren Sinn (wie auch im Englischen) werden alle kleineren Gattungen der Kängurus wie Hasenkängurus, Nagelkängurus, Buschkängurus, Filander und Felskängurus dazugerechnet.

* Die Familie der Kängurus enthält eine große Zahl Arten von Tieren mit unterschiedlichen Größen von 20cm bis zu aufgerichtet locker 190cm. Die Vordergleidmaßen sind viel kürzer und schwächer als die sehr muskulösen Hinterbeine. Bei langsamer Fortbewegung setzen die Tiere jeweils die beiden Vorder- und Hinterfüße gleichzeitig auf, wobei die Hinterbeine seitlich außen an den vorderen vorbeigeführt werden. Die Tiere sitzen oft aufrecht mit hängenden Armen und stützen sich mit dem nach hinten gestreckten, außerordentlich muskulösen Schwanz sicher ab. Bei der schnellen Fortbewegung spielen die Arme keine Rolle. Sie vollführen mit Hilfe der Hinterläufe bei nach hinten zur Balance weggestreckten Schwanz sehr weite und hohe Sprünge.

Aussehen:

Wallabys erreichen durchschnittlich eine Kopfrumpflänge von 70 bis 80 Zentimetern, eine Schwanzlänge von 60 bis 70 Zentimetern und ein Gewicht von rund 12 bis 20 Kilogramm. Wie bei den meisten Kängurus sind die Hinterbeine deutlich länger und kräftiger als die Vorderbeine. Der lange, muskulöse Schwanz dient bei den weiten Sprüngen dazu, das Gleichgewicht zu halten, beim Grasen wird er als Stütze eingesetzt.
Die Felle aller Wallabys sind meist rötlich braun, auch bläulich mit hellen Spitzen. Das Haar ist lang, die Unterseite ist grauweiß. Bei einigen Arten sind Streifen am Rücken oder im Gesicht oder andere Musterungen vorhanden.

Lebensweise:

Sie bewohnen die nördlichen, östlichen und südlichen Küstenregionen Australiens. Eine Art, das Flinkwallaby, kommt darüber hinaus auch auf Neuguinea vor. Aufgrund ihrer geringen Körpergröße bewohnen sie eher buschbestandenes und bewaldetes Gebiet als die großen Arten. Generell sind sie eher dämmerungs- oder nachtaktiv und ruhen tagsüber. Neben einzelgängerischen Arten gibt es auch jene, die in Gruppen zusammenleben. Wie alle Kängurus sind sie Pflanzenfresser, die sich von Knospen, Farnen, Rinde, Gräsern, Kräutern und Blättern ernähren. Wenn es wenig regnet, kauen sie saftige Wurzeln gegen den Durst.

Namensgebungen
z.B. in der Pelzbranche:

Die Felle der Großkängurus wurden ausschließlich der Lederverarbeitung zugeführt, für die sie aber heute auch keine Rolle mehr spielen. Als Wallabyfelle sind die Felle aller Känguruarten im Handel, die Felle der eigentlichen Wallabys und Jungtierfelle der meist größeren Kängurus. Für die „Pelzverarbeitung“ werden u. a. folgende Wallabyarten getötet: „Peitschenschwanz-Wallaby“ (Whiptail wallaby): Unter dieser Bezeichnung wurde das Fell des Hübschgesichtwallabys aus dem Osten Australiens eingeführt. Das „Busch-Wallaby“: das Rothalskänguru / Rotnackenwallaby (red-necked wallaby oder Bennett’s wallaby). Das Sumpfwallaby (Swamp Wallaby). Die Rockwallabies: Hierzu zählen das Derbywallaby oder Tammar und der Rothalsfilander. Ausserdem noch „Grey-Wallabys“, die Felle werden mitunter auch als Rockwallabys gehandelt: die Felskängurus. Hierzu gehören das Bürstenschwanz-Felskänguru und das Gelbfuß-Felskänguru.

Weitere Infos & Zahlen:

Im Jahr 1965 wurde der Fellverbrauch für eine für einen Wallabymantel ausreichende Felltafel (aus kleinen Kängurufellen) mit 20 bis 30 Fellen angegeben (sogenanntes Mantel-„Body“)

Folgende Maße für ein Mantelbody wurden zugrunde gelegt: Körper = Höhe 112 cm, Breite unten 160 cm, Breite oben 140 cm, Ärmel = 60 x 140 cm.


Für 1988 heißt es, „der Anfall an Wallabyfellen soll in den vergangenen Jahren bis zu 1 Million Stück betragen haben, doch liegen genauere Zahlen nicht vor“* Seitdem wird behauptet, dass das Fell zumindest vom europäischen Markt fast ganz verschwunden sei. Einige Känguruarten sind in das Washingtoner Artenschutz-Übereinkommen (Anhang I bzw. II) aufgenommen worden. Während viele Arten der kleineren Känguruhs im Bestand stark vermindert und gefärdet sind, kommen die drei Arten der Riesenkängurus (Rotes Riesenkänguruh, Graues Riesenkänguruh und Bergkänguruh, auch Wallaroo genannt) in derart großen Mengen vor, dass sie von Farmern heftig bekämpft und von Felljägern gejagd wurden. Alleine in Queensland wurden z.B. zwischen 1950 und 1960 jährlich etwa 450 000 Känguruhäute gehandelt. Das eingefrorene Fleisch wird in großem Umfang exportiert.

 

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